Was ist heute mutig?


Früher war es mutig, wenn eine Frau Hosen anzog oder sich bei Tisch am Gespräch beteiligte. Mutig fühlten sich vor hundert Jahren noch Männer, die in den Krieg zogen. Mutig waren Martin Luther King und Nelson Mandela im Kampf um Gleichberechtigung – oder die Geschwister Scholl in ihren Versuchen, vor den Nazis zu warnen.

Martin Gundlach ist Chefredakteur der Zeitschrift Family und Redaktionsleiter im Bundes-Verlag.
Mut bezog und bezieht sich immer auf konkrete Situationen. Was Menschen als mutig ansehen, ändert sich deshalb immer wieder. Aber was ist heute eigentlich mutig – mitten im ganz normalen Familienalltag? Vermutlich für jeden etwas anderes. Hier mal ein paar Vorschläge:
  • Mutig? Ehrenamtlich arbeiten. Dafür gibt es keine Rentenpunkte und zunehmend weniger Anerkennung.
  • Mutig? In Kinder investieren, in eigene Kinder, Pflegekinder, Adoptivkinder. Ohne zu wissen, wie es am Ende ausgeht. Oder: investieren in die eigenen alten Eltern.
  • Mutig? Ein berufliches Aufstiegsangebot ausschlagen, um mehr Zeit für Ehe und Familie zu haben. Oder für andere Menschen …
  • Mutig? Ein berufliches Angebot annehmen, weil ich durch den Stellenwechsel für die Dinge einstehen kann, die mir wirklich am Herzen liegen.
  • Mutig? Einen Menschen zu mir einladen, den ich noch nicht gut kenne. Der ganz anders ist und vor dem ich vielleicht sogar ein wenig Angst habe.
  • Mutig? Einen Beitrag für das Leben formulieren in der Zeitung, in einer Gesprächsrunde – und sich vielleicht als naiv beschimpfen lassen.
  • Mutig? …
Mutig ist für jeden etwas anderes. „Mutig“ ist aber immer an der Kante, immer eine Gratwanderung. „Mutig“ beinhaltet immer ein Risiko und oft Veränderungen, ja, „mutig“ kann immer auch schiefgehen. Ich habe das Gefühl, dass unser Mut in diesen Tagen noch einmal besonders herausgefordert ist – angesichts der Terrorbedrohungen, angesichts der Angst, die viele um uns herum erfasst und vielleicht auch uns selbst.

In der Bibel gehören Mut und Gottvertrauen oft zusammen: „Habe festen Mut und hoffe auf den Herrn!“ lautet einer der Sätze, die das zusammenbinden (Psalm 27,14).

Martin Gundlach

(aus: Family 2/2016, SCM Bundes-Verlag gGmbH; Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung; leicht gekürzt)

Back to Top

Magazin auswählen

Magazin 143 Magazin 143
Magazin 142 Magazin 142
Magazin 141 Magazin 141
Magazin 140 Magazin 140
Magazin 139 Magazin 139
Magazin 138 Magazin 138
Magazin 137 Magazin 137
Magazin 136 Magazin 136
Magazin 135 Magazin 135
Magazin 134 Magazin 134